Xi’an (21.-22.09.2005)

Von Hangzhou ging es mit einem innerchinesischen Flug weiter nach Xi'an. Von der Küste also ins direkt Zentrum Chinas - die Wiege der chinesischen Kultur. Innerchinesische Flüge haben innerchinesische Sitzabstände - ich habe selten so unbequem gesessen - immerhin nur 2:30h lang. Der Pilot hatte es dann nach bei der Landung auch noch eilig und ist mit wilder Vollbremsung und leichter Schräglage in den frühstmöglichen Taxiway abgebogen…

Stadt

Xi'an selbst präsentierte sich auf der Fahrt vom Flughafen zum Hotel arg grau. Industriegebiete und Kraftwerke, alles sozialistisch schmuddelig grau-braun. Was noch auffiel: im Gegesatz zu Shanghai und Hangzhuo hatte hier nicht VW mit seinem Santana sondern Citroën den Taximarkt fest in der Hand. Und der Friseur arbeitet natürlich draussen.

Terrakottaarmee (Gelände)

Die große Attraktion Xi'ans ist die Terrakottaarmee einige Kilometer außerhalb von Xi'an. 1974 wurden hier bei Brunnenbauarbeiten von Bauern einige Tonscherben entdeckt. Nachdem man weitere Ausgrabungsteams hinzugerufen hatte, wurde das ganze Ausmaß des Funds sichtbar. Es handelte sich um über 7000 lebensgroße Terrakottakrieger, die den ersten chinesischem Kaiser nach seinem Tod bewachen sollten.

Auf dem Gelände sind verschiedene Ausgrabungshallen und ein Museeum zu besichtigen. Oder man nutzt die blitzblanken Scheiben für Selbstportraits, wenn man mit seinem Gruppenfoto nicht zufrieden war.

Terrakottaarmee (Grube 1)

Die erste Grube ist von einer Halle ziemlich gigantischen Außmaßes überdacht. International finanziert (z.B. von Japanern mit schlechtem Kriegsgewissen…). Und da stehen sie dann, die Krieger. Wie an der Perlenkette aufgereiht, aber alle individuell verschieden gestaltet. Ihre Waffen waren aus Holz gefertigt und sind natürlich verrottet. Die Krieger aber (so sie nicht in früheren Zeiten zertrümmert wurden) sind zum Teil intakt und wenn nicht, werden sie in einer gigantischen Puzzlearbeit wieder zusammengesetzt. Seit über 30 Jahren geht das nun so und man hat ungefähr ein Viertel der Armee ausgegraben. Wirklich sehr beeindruckend und etwas unheimlich.

Terrakottaarmee (Grube 2 & 3)

In den anderen Gruben sind die Augrabungen noch nicht so weit fortgeschritten. Hier sieht man dafür besser, wie Schicht für Schicht abgetragen wird. Gearbeitet wird dort vornehmlich während der besuchsärmeren Zeiten - wir haben jedenfalls niemanden gesehen, der aktiv mit den Ausgrabungen beschäftigt ist. Schade eigentlich.

Stadtbummel

Zurück in Xi'an folgte der obligatorische Stadtbummel. Irgendwie mochte mich die Stadt nicht. Bzw. ihre Taxifahrer, die tatsächlich keine Straßenkarten lesen können. Man fährt nach Gefühl und kann mit freundlich angebotenen Karten so überhaupt nichts anfangen. Stattdessen fährt man lieber nochmal etwas um dem Block, ignoriert freundliche und weniger freundliche Aufforderungen, anzuhalten… Sehr grau - ja, alles in Xi'an war grau. Das unvermeidliche Shopping-Mall, die riesige Stadtmauer, der Glockenturm. Grau. Mitten in Xi'an ist das moslemische Viertel gelegen - endlich wurde es etwas bunter.

Feuertopf

Bunt und gar feurig war das Abendessen - ein mongolischer Feuertopf, quasi ein Fondue auf chinesisch. Sehr lecker, macht optisch etwas her und ich begann mich wieder mit Xi'an zu versöhnen.

Abend

Überhaupt - sobald die Dämmerung einsetzte, verschwand das Grau. Dachte sich wohl auch der Schweißer, der im Dunkeln werkelte… Und die Taxifahrer hatten uns auch wieder lieb, wie den glücklichen Gesichtern von Peter und Volker zu entnehmen ist.

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