Jürgen-Vogel-Festspiele

Mein homöopathischer Kinogenuss treibt manchmal seltsame Blüten.

Eben mit Der freie Wille meine persönlichen Jürgen-Vogel-Festspiele abgeschlossen. Ein heftiger, quälender Film. Ein wichtiger Film (ja, ist abgegriffen). Einer dieser Filme, wo das Publikum nach Filmende im Sessel klebt und erst langsam wieder zu sich kommt. Rein formal fast schon ein Dogma-Film, gefühlte 80 min lang (in Wirklichkeit fast drei Stunden), mit einer ruhenden, beobachtenden Perspektive, keine Wertung, direkt in den Kopf. Neben Jürgen Vogel, der zurecht preisgekrönt hervorsticht, eine ebenso beeindruckende Sabine Timoteo. Beide seelenverwandt, zwischen Momenten größter Nähe und Zärtlichkeit, dann wieder (Selbst-)Hass und unkontrollierte Ausbrüche, einfach wahnsinnig intensiv gespielt. Muss noch sacken, merke ich gerade.

Zuvor Ein Freund von mir, der zweite Film von Sebastian Schipper. Keine neuen Giganten, kein Kultfilm - nein ein kleiner, schöner, weiser, witziger, erwachsener Film. Mit Jürgen Vogel, Daniel Brühl und ja, auch Sabine Timoteo. Nacktporschefahren und wundervollem Autoballett im Regen auf der Autobahn. Und Happy-End mit perfekt gelöster Schlussszene. Doch ein leiser Kultfilm?

Und davor gab es Emmas Glück mit Jördis Triebel, die man einfach gerne haben muss. Mit ihren Hühnern und Schweinen und Dreck unter den Fingernägeln. Sinnlichkeit einmal neu definiert. Allerdings ein etwas ungarer Film über die Liebe und den Tod, der anfangs nicht so recht weiß, wo er hin will, gegen Ende aber immer sicherer, stimmiger und schöner wird. Achja, Jürgen Vogel hat auch mitgespielt.

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